Eigenbau Modellturbine – 2002

Eigenbau Modellturbine

von

Armin Waltl

12.03.2002

Kurz zu meiner Vorstellung:

Mein Name ist Waltl Armin, bin in Dornbirn zu Hause und betreibe den Modellsport seit ca. 20 Jahren.

Von Beruf bin ich Maschinenschlosser und bin in einer Möbelbeschlägefirma in Höchtst als Werkzeugmacher tätig.

Im Modellflugbereich bin ich eher in der schnelleren Abteilung zu finden. Die Speedfliegerei hat mich relativ rasch in ihren Bann gezogen und seit dem nicht wieder losgelassen. Eher zum Leid meiner Clubkollegen, die nicht des öfteren mit eher lauteren Modellen von mir genötigt wurden.

Dann kam mir im Jahre 1994 der Bauplan der berühmtberüchtigten FD 3 von Kurt Schreckling in die Hand.

Ab diesem Tag wurde in meiner Werkstatt heftig gewerkelt. Angespornt von der Vorstellung ,ein sehr schnelles und doch leises Modell zu erschaffen, ließen mich sehr, sehr viele Stunden in der Werkstatt verbringen.

Doch zuerst musste die Turbine laufen.

Wenn ich gewusst hätte, auf was ich mich da einlasse, hätte ich doch alles beim Fenster hinausgeworfen.

Die Turbine war zwar fertig, und wohl auch ordentlich gebaut, wollte aber von Laufen nicht viel wissen.

Von angelaufenen Rädern, festgefressenen Lagern, verschmorten Brennkammern, abgebrannten Turbinenschaufeln (die eher an karieszerfressene Zähnen erinnerten) und nicht zu vergessen die bald meterlangen Stichflammen bot mir dieses Sch….-ding wirklich alles.

Schlussendlich habe ich dann doch das Handtuch geworfen, obwohl, ich wirklich lange daran experimentierte.

Ein Jahr danach besuchte uns in Bregenz Alfred Kittelberger. In der Selbstbauerturbinengilde längst kein Unbekannter mehr. Er hatte eine Turbine dabei, die so anstandslos lief, das ich fast meinen Augen nicht traute.

Auch alles selbstgebaut, hatte diese Turbine mit der FD 3 nicht mehr viel gemein.

Alfred erklärte mir alles genau, und nicht nur das, er versprach mir einen Satz Zeichnungen zu schicken.

Zuvor solle ich mir aber das Buch von Thomas Kamps Modellstrahlturbinen kaufen. Ein sehr nützliches Nachschlagewerk für jeden Turbinenflieger (wie ich ja einer werden wollte). Auf diesem Wege möchte ich Alfred recht herzlich danken, auch für die Lösungen für die Probleme, die wir noch vor uns hatten!

Mit diesem Grundmaterial ausgestattet machte ich mich mit einem Clubkameraden wieder an die Arbeit.

Brennkammer mit den erprobten Leitsystemen

Turbine in Haupteinzelteile zerlegt

Nach wieder einiger Zeit, vielen Stunden und einigen Rückschlägen war die neue Turbine auf dem eigens dafür gebauten Prüfstand.

Unentberliches Utensil: Selbstgebaute Wuchtmaschine!

Der Prüfstand, der schon einiges erleiden musste!

Also: Showtime!

Nach dem Anblasen der Turbine wurde der Gashahn aufgedreht. Durch Entzünden der austretender Luft an der Schubdüse wurde die Flamme mit einem nicht zu überhörbarem „Plopp“ in die Brennkammer gezogen.

Mit der Pressluft wurde die Turbine hochgedreht. Dann wurde langsam das Kerosin aufgedreht.

Bei ungefähr 40.000 rpm wurde die Turbine langsam selbstlauffähig. Das ist zwar viel zu hoch für einen sicheren Betrieb, das war uns aber in diesem Augenblick völlig egal, denn das Ding lief.

Grund für dieses Problem war, wie sich später herausstellte, die Brennkammerbelochung, da wir alle Löcher um 1mm zu groß machten.

Mit der Zeit kamen wir immer wieder auf neue kleinere Probleme, die aber mit Hilfe von Alfred recht rasch gelöst werden konnten.

Jetzt musste nur noch ein Versuchsträger her. Zu dieser Zeit war noch nicht viel am Markt, außer dem Kangaroo von Andreas Gietz. Leider ist mir das Datum des ersten Fluges meines Kagaroos nicht mehr bekannt, weis aber heute noch, das ich mir vor Angst und Nervosität fast in die Hosen gemacht habe. Aber völlig zu unrecht.

Mein Kangaroo fliegt heute noch und das nicht schlecht.

 

Die wichtigsten Daten der Turbine:

  • Gewicht:  1,2kg
  • Drehzahl:  34000-118000rpm
  • Schub:     ~8kg bei 115000rpm
  • Abgastemp.:   590-640°C

Die heiße Startfase mit Presserummel!

Kangaroo fliegt!

Da aber auf unserem Modellflugplatz auf die Lärmbegrenzung großen Wert gelegt wird, habe ich die Drehzahl auf 100.000 rpm begrenzt. Für das Kangaroo ist es immer  noch  voll ausreichend und wir wollen niemanden mit damit auf die Nerven gehen. Denn was für uns Modellflieger reinste Musik ist, kann für andere schon als Lärmbelästigung empfunden werden.

Ich habe dann die Turbine immer mehr verbessert und bin heute mit ihr recht zufrieden. Hätte ich aber gewusst, welchen Aufwand ich damit treiben würde, hätte ich mir vielleicht eine gekauft.

Aber nur vielleicht, denn kaufen kann sich das fast jeder………..