Reisebericht über die F5B-Elektroflug-WM in San Diego – 2000

Reisebericht über die F5B-Elektroflug-WM in San Diego

Von: Dieter Safarik
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Vorwort

Die F5B-Weltmeisterschaft fand dieses Jahr in San Diego, Californien, USA, statt.
Eigentlich waren hierfür Rudolf Freudenthaler, Kurt Hainzl und Roy Brditschka als Piloten nominiert, ich sollte als Teammanager und Helfer mitkommen.
Da jedoch Kurt 6 Wochen vor der WM seine Nominierung zurücklegte, rutschte ich als dritter Pilot ins Team, was einiges an Arbeit versprach.

Übersee-Meisterschaften bedeuten im Vorfeld immer einen Riesenaufwand, von Flugtickets über Leihautos bis hin zu „Särgen“ für den Modelltransport mußten organisiert werden.
Netterweise wurden die im Februar bestellten 72MHz-Empfänger, HF-Teile und Quarze nach monatelangem Hinhalten dann doch nicht geliefert, was 2 Tage vor der Abreise noch zu Stress führte.

Nachstehend nun chronologisch der Zeitablauf:

Sonntag, 30. Juli 2000

Das komplette F5D-Pylon-Team mit Bundesfachreferent Peter Meisinger, sowie Rudl und Hermi fliegen gemeinsam am Sonntag Morgen von Linz über Frankfurt und Chicago nach San Diego und kommen dort getrennt und mit mehr als 10 Stunden Verspätung an!

Ich fahre per Auto von Vorarlberg nach Linz zu Roy, wir packen gemeinsam ca. 100kg Gepäck in 2 Aluboxen und eine 1,8m lange Kiste; Roy´s Mutter kocht uns ein letztes europäisches Abendessen.

Montag, 31. Juli 2000

Abflug gegen Mittag von Linz über Düsseldorf und Chicago nach San Diego, kommen dort pünktlich an, werden von Rudl und Peter abgeholt, tadellos, lediglich eine Alukiste ist beim „behutsamen“ Transport aufgeplatzt.
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Dienstag, 1. August 2000

Ausspannen, Modelle kontrollieren, Reichweitentests, akklimatisieren ist angesagt. Rudl hat bereits eine Beule in den Grand-Voyager gefahren, ansonsten aber alles o.k.

Der Modellflugplatz des ortsansässigen Vereins (165 Mitglieder) sieht für europäische Verhältnisse etwas eigenartig aus. Direkt neben dem Highway sind 5m Platz zum Parken, 10m harter Sandboden zum Landen, 20m bis zu einem Radweg und weitere 10m bis zum Strand! Die Infrastruktur besteht aus einem Mistkübel und eine Holzstange, wo man seine Frequenz kundtun kann!

Das eigentliche WM-Gelände ist eine brettebene Sandfläche inmitten einer Bucht, umgeben von einem Damm und Salzwasser, was im Verlauf der WM so manches Modell auf nimmerwiedersehn verschwinden läßt.

Klimatisch waren wir auf mehr Hitze eingestellt, das kalte Wind vom Pazifik verlangt öfters nach einer Jacke und der feine Flugstaub macht uns ebenfalls zu schaffen.

Sehenswert sind die Landefelder, der Sandboden wurde dort mit feinem Kies aufgeschüttet – Rumpfunterseite mit Tesa abkleben!

Mittwoch, 2. August 2000

Nach dem offiziellen Anmelden bin ich 100 Dollar für Zeltmiete und weitere 100 Dollar für eine Bleibatterie mit dazu passendem Ladegerät los.

Da wir im 8. Stock unseres schönen Hotels wohnen und Rudl wegen seiner Leistenoperation nichts heben darf, kommen schwere Zeiten auf uns zu.

An dieser Stelle möchte in Guntmar Rüb im Namen aller Piloten danken. Guntmar, deutscher Kader-Pilot, hat die Computer-Messanlage mitgebracht und ohne seine Hilfe hätten die Amis diese WM nie über die Bühne gebracht, zumal außer ein paar blauen WC-Häuschen nicht vorbereitet war.

Aber die Meister der Improvisation haben schlußendlich mit viel Treten doch alles notwendige auf die Beine gestellt. Ich hab mich zwar auf der Teammanager-Sitzung mit meiner 15-Fragen Liste etwas unbeliebt gemacht, hab aber sicher einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Donnerstag, 3. August 2000

Den Vorwettbewerb in F5B nutzen alle 50 Piloten, um Ihr Material teilweise wirklich einem letzten Test zu unterziehen. Zerplatzende Modelle, sterbende Regler, Staubwolken bei Fehlstarts machen das Ganze recht interessant.

Da wir wenig Lust auf Fast-Food haben, testen wir der Reihe nach Steak-Haus, Mexikaner, Italiener etc., das Essen ist in der Regel gut und mehr als ausreichend, aber auch entsprechend teuer.

Freitag, 4. August 2000

7- und 10-Zeller, Fun-Scale, Kunstflug und Ähnliches sind wichtiger als 3 Durchgänge F5B, so werden nur 2 Runden geflogen. Genau soviel Elan stecken die Amerikaner in der Siegerehrung, hierzulande ist ein 7-Zellen-Bewerb würdevoller.

Den 27-Zellen-Bewerb gewinnt Möckli aus der Schweiz vor Bridgeman, USA und Hübner, Deutschland; Rudl wird 6., ich 7. und Roy 12.

Rudl gewinnt zusätzlich den 10-Zellen-Bewerb.

Trotzdem sind die Flüge auf der 150m-Strecke lehrreich, wir befinden uns auf Meereshöhe, die Luft ist viel zäher, dazu kommt die hohe Luftfeuchtigkeit und der starke Wind, was unsere Flieger nicht so recht Laufen läßt.

Samstag, 5. August 2000

Der einzige Tag unseres Amerika-Aufenthaltes, an dem wir Frei haben, wir besuchen Sea-Wourld, machen Einkäufe (Wasser, Vollkornriegel…).

Sonntag, 6. August 2000

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Prozessing ist angesagt, in umgekehrter alphabetischer Reihenfolge, damit die Amis gleich in der Früh fertig sind und weiter trainieren können (hab die Jungs selten so nervös gesehen).

Somit kommen wir als letzte dran, anfängliches Bauchweh wegen der Flächenbelastung ist unbegründet, die Messerei der Flügelfläche ist mit soviel positiver Toleranz behaftet, daß Roy problemlos 200 Gramm Ballast zuladen könnte!

Die Pylon-Piloten haben zur gleichen Zeit offizielles Training, wo Sie sich selber die Zeit stoppen dürfen, da vom Veranstalter kein Mensch da ist!

Montag, 7. August 2000

Offizielles Training: Ein verpolter Querruderstecker und ein beinahe Fehlstart machen die Sache abwechslungsreich.

Danach kann noch bis zum Dunkel geübt werden, dabei zerreisst es eine australische Maschine, die anschließende Taucher-Aktion bleibt erfolglos (auch der Zeitflug über dem Meer hat seine Reize).

Dienstag, 8. August 2000

Nach der Opening Ceremony um 8.00 Uhr in der Früh beginnt die WM mit Pylon von 9.00 bis 11.00 Uhr und danach mit einer Runde F5B.

Die 1. Runde wird mit einer verpatzen Landung für Roy gleich sein Streicher, Rudl und ich fliegen je 33 Strecken.

Diese Runde gewinnt Pils, USA, vor Lang, GER und Möckli, CH.

Mittwoch, 9. August 2000

Heute werden Runde 2 und 3 geflogen, d.h. 9.30 Uhr im Hotel abfahren, 10.00 Uhr Sender abgeben, 11.00 Uhr der erste Starter in der Luft, kurz vor 19.00 Uhr Ende der 3. Runde.

Ein Refly, weil der Wendemarkenrichter nach einem Einflug mit Motor meinen Ausflug nicht hupt (hat auch Vorteiler, wenn die Offiziellen die Regeln nicht kennen), bringt für mich keine Verbesserung.

Nach diesem Tag führt Möckli vor Leodolter, CH und Pils, Rudl auf Platz 6, ich auf dem 12. und Roy auf dem 16.

Donnerstag, 10. August 2000

Nach Runde 4 und 5 wird zum ersten Mal ein Streicher berücksichtigt und eine Team-Wertung bekannt geben:

Es führt Leodolter vor Weberschock, GER und Möckli, Rudl auf Platz 7, Roy auf 12 und ich auf 13.

Als Team liegen wir auf Platz 5, die Italiener machen uns schwer zu schaffen, GER, USA und CH sind unerreichbar.

Freitag, 11. August 2000

In dieser Runde explodiert das Modell von Bridgeman beim Einflug in die Strecke, da er in Runde 3 bereits ein Modell beim Start versenkt hat, bedeutet das das Aus für das US-Team.

Nach Runde 6 und 7 sieht die Wertung vor dem letzten Durchgang am Samstag folgendermaßen aus:

Leodolter vor Weberschock und Lang, sowie Möckli, alle können im letzten Durchgang noch gewinnen.

Rudl ist auf Platz 7, ich auf 10 und Roy auf 14.

Als Team wird uns der 4. Platz erhalten bleiben.

Samstag, 12. August 2000

Die letzte Runde muß in der Mitte unterbrochen werden, da der Wendemarkenrichter an der Basis-B mein Modell im Nebel! nicht mehr sieht (ich auch nicht). Bekomme so meinen 2. Refly, dafür dauert dieser letzte Durchgang mehr als 5 Stunden.

Endergebnis: Leodolter vor Weberschock und Lang, 1 Punkt dahinter Möckli, dann Pils, Frattini, Rudl als 7., dann Hübner, Mossa und ich als 10., Roy auf Platz 13.

In der Teamwertung gewinnt Deutschland vor Schweiz und Italien, wir auf Platz 4.

Wer die genauen Durchgangs-Ergebnisse betrachten möchte, kann sich diese auf folgenden Internet-Seiten anschauen:
http://www.schulze-elektronik.com

Danach geht´s ins Hotel zum Packen, wieder raus auf den Platz zur Siegerehrung, danach retour in Hotel auf Bankett, das wir gegen 21.00 Uhr verlassen, da sich zu viele Leute ums Essen streiten.

Sonntag, 13. August 2000

Da keine Bar mehr offen hat, geht’s um 3.00 Uhr früh noch für 1 Stunde ins Bett, danach zum Flughafen, und das Erste was wir auf dem Bildschirm im Terminal sehen, ist unser gecancelter Flug nach Chicago.

Also Team trennen, umbuchen, warten, in Chicago hetzen, um den Flug über den Atlantik zu bekommen (nachdem unser Jet beim Landen durchstarten muß, weil noch ein anderer Flieger auf der Landebahn steht).

Montag, 14. August 2000

Bei der Ankunft in Linz merken wir, daß bei der Aktion in Chicago unser Gepäck liegen geblieben ist, die Kisten kommen 7 Stunden später an. Die 5 Stunden Heimfahrt geben mir dann so richtig den Rest.

Fazit

Dank an Heinrich, Konrad und Rudl für das Leihen von den 72MHz-Teilen.
Dank an den Aeroclub für die finanzielle Unterstützung.

Wenn Konstanz ein Kriterium für Erfolg ist, dann müssen wir daran nicht mehr arbeiten, denn gravierende Fehler sind uns im Gegensatz zu anderen Teams nicht unterlaufen.
Mehr üben hinsichtlich Anpassen des Flugstils auf unterschiedliche Wetter- und Ortsverhältnisse ist sicher kein Fehler, neue Modelle müssen wir wegen der Regel-Änderung für 2001 sowieso bauen.
Norbert Hübner, Germanen-Pilot, hat gemeint, uns tut der 4. Platz in der Teamwertung gut, dann sind wir beim nächsten Mal angriffslustiger – Schaun mehr mal, die nächste WM 2002 findet in Winterthur, CH, statt.

Dieter Safarik

TM/Pilot F5B 2000